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Gestaltungsorientierung als Kern der Schulinformatik
Die gängige Argumentation für Informatikunterricht an allgemein bildenden Schulen liest sich – verkürzt – etwa wie folgt: Informatiksysteme durchdringen alle Bereiche unserer Gesellschaft, deswegen ist es wichtig, dass die Schüler:innen einen kompetenten Umgang damit erlernen. Das ist nur im Informatikunterricht möglich, weil in anderem (Fach-) Unterricht zwar die Handhabung von bestimmten Anwendungsprogrammen vermittelt werden kann, nicht aber ein tiefer gehendes Verständnis der grundlegenden Zusammenhänge. Also benötigen wir einen verpflichtenden Informatikunterricht in Schulen.
Als vergleichsweise junge und sich rasch entwickelnde Disziplin verfügt die Informatik noch (?) nicht über ein homogenes Selbstbild, d. h. auch in Fachkreisen wird darüber gestritten, was denn „die Informatik“ eigentlich sei. Die Vielfalt der Meinungen zeigt sich beispielsweise in dem Definitionsversuch der Gesellschaft für Informatik (2005): „[…] die Informatik [ist] nicht nur eine Ingenieurswissenschaft[,] sondern auch eine Grundlagen- und Systemwissenschaft mit experimentellen Elementen […]. Informatik ist eine Basis- und Querschnittsdisziplin, die ihre Grundlagen aus der Mathematik und den Ingenieurswissenschaften bezieht und in alle Lebens- und Anwendungsbereiche wirkt“.
Verschiedene Sichtweisen auf die Informatik sind per se noch kein Problem, im Gegenteil bereichern sie meiner Meinung nach die Wissenschaft Informatik. Für problematisch halte ich es allerdings, wenn man daraus folgert, dass alles, was im weiteren Sinne Informatik ist, in didaktisch reduzierter Form auch Unterrichtsinhalt in einem Schulfach Informatik sein sollte. Leider lesen sich aber viele Lehrpläne wie das Curriclum für ein „Informatikstudium Light“. Die Frage, die die Fachdidaktik der Informatik beantworten sollte, lautet aber nicht, welche Aspekte der Informatik Schüler:innen wie vermittelt werden können, sondern über welche Informatikkenntnisse junge Menschen verfügen müssen, um ihre Persönlichkeit entfalten und an der Gestaltung unserer (Informations-/ Wissens-/ Medien-) Gesellschaft mitwirken zu können. Dafür sind die verschiedenen Perspektiven unterschiedlich relevant.